Prof. Dr. Osman Can
Professor für Verfassungsrecht | Strategischer Berater
Prof. Dr. Osman Can ist ein internationaler Rechtsgelehrter, der sowohl über theoretische Tiefe als auch über hochkarätige justizielle Praxis im Verfassungsrecht und in der Staatsarchitektur verfügt. Er betrachtet das Recht nicht nur als rein normativen Text, sondern als ein System der gegenseitigen Kontrolle (Checks and Balances), das auf den faktischen Machtdynamiken von Legislative und Exekutive sowie auf politischer und wirtschaftlicher Rationalität beruht. In seinen institutionellen Analysen betrachtet er die Justiz nicht als isolierten Apparat, sondern stellt die strukturelle Realität in den Mittelpunkt, die die innerparteiliche Demokratie, das Wahlrecht und die Konzentration der Exekutivgewalt im Staat berücksichtigt.
Prof. Dr. Can, der an der Marmara-Universität und der Goethe-Universität Frankfurt Verfassungsrecht und das türkische Verfassungssystem lehrt, schafft in seinem in Vorbereitung befindlichen umfassenden Werk Die Verfassung der Republik Türkei (Türkiye Cumhuriyeti Anayasası) ein dynamisches Fundament. Er löst die Verfassungsarchitektur aus einem rein juristischen Rahmen und deutet sie über die Psychodynamik, die Gründungstraumata und die anthropologischen Grundlagen der Gesellschaft.
Globale Risiken, institutioneller Verfall und rationale Strategie Angesichts tiefer politischer Ängste, wirtschaftlicher Unsicherheiten und der Bedrohung durch institutionellen Verfall (Institutional Decay) auf globaler und regionaler Ebene liefert er strategische Analysen auf Makroebene. Er entwickelt Auswege für existenzielle regulatorische Krisen, mit denen nationale und internationale Akteure, makroökonomische Wirtschaftsstrukturen und öffentliche Institutionen konfrontiert sind, indem er diese durch die Dynamik des negativen Gesellschaftsvertrags und der politischen Rationalität liest. Er konzipiert das Recht in Krisenzeiten nicht als statische Barriere, sondern als gesicherten und lösungsorientierten Mechanismus, der Konflikte an der Schnittstelle von Staatsapparat, wirtschaftlichem Wohlstand und kolossalen Risiken ausbalanciert.
Krisenmanagement und Architektur der Rechtsprechung im öffentlichen Recht Neben seiner akademischen Vision diente er in den politisch und rechtlich turbulentesten Zeiten der Türkei als Berichterstatter-Richter (Raportör-Hâkim) am Verfassungsgericht (AYM) und entwickelte visionäre Lösungen für kritische Auseinandersetzungen, in denen das System blockiert war:
- Schutz der demokratischen Politik: Indem er Parteiverbotsverfahren nicht als reine Normanwendung betrachtete, sondern auf die Achse von Politikwissenschaft, soziologischer Realität und demokratischer Notwendigkeit stellte, lenkte sein Ansatz die endgültigen Entscheidungen und die Rechtsprechung des Gerichts.
- Soziale Rechte und Rationalisierung: Mit seiner Vision zu Gewerkschaftsrechten und Streiks erweiterte er den Schutzbereich dieser Rechte und ermöglichte gleichzeitig einen rationalisierenden und nachhaltigen rechtlichen Rahmen.
- Wirtschaftliche Regulierung und Privatisierung: Durch den von ihm ausgearbeiteten rechtlichen Rahmen während des Privatisierungsprozesses von Türk Telekom und den Häfen ermöglichte er die Überwindung blockierter Prozesse und die Etablierung eines wirtschaftlichen Gleichgewichts.
Internationaler Einfluss und Autorität Er war als Abgeordneter in der Großen Nationalversammlung der Türkei und in Verfassungsgebungsprozessen aktiv. Als Mitglied der Venedig-Kommission des Europarates (2014-2018) und Vizepräsident von deren Wissenschaftlichem Beirat bot er strategische Unterstützung als internationaler Analyst und Berichterstatter bei Verfassungs- und institutionellen Transformationsprozessen in verschiedenen Ländern. Er forschte an renommierten Institutionen wie dem Max-Planck-Institut für europäische Rechtsgeschichte (Frankfurt) und dem Woodrow Wilson International Center for Scholars (Washington D.C.). Er verfügt über zahlreiche publizierte akademische Werke und Artikel zum öffentlichen Recht, zur Verfassungsgerichtsbarkeit und zur Streitbeilegung in deutscher, englischer und türkischer Sprache.